Axel Ritsma

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Mein klares "Ja" zur Akupunktur

 

 

Als ich zum ersten Mal hier in China war, es war nur ein kurzer 6-woechiger Aufenthalt, wollte ich mir vor einem eventuellen Umzug hierher ein Bild von der Situation machen, die mich erwarten wuerde.

Dazu gehoert natuerlich auch ein Besuch im Krankenhaus, denn privat praktizierende Aerzte mit einer eigenen Praxis, wie man es aus Europa kennt, sind hier recht selten. Also geht man ins Krankenhaus. Jetzt habe ich, seit meinem Motorradunfall mit einem angebrochenen Wirbel als Ergebnis, staendige Rueckenschmerzen, je nach Witterung oder sportlicher Aktivitaet, mal mehr, mal weniger.

Meine damal "zukuenftige" Frau wusste das und hat vorgeschlagen, doch einmal einen Spezialisten fuer Akkupunktur aufzusuchen. Der Vater eines ihrer Schueler sei Akkupuntur-Spezialist in einem Krankenhaus in Naehe und ein Besuch dort koennte schnell und un kompliziert arrangiert werden. Es sei auch nicht teuer. Was heisst teuer oder nicht teuer, wollte ich natuerlich wissen. Sie sagte, dass die Behandlung, 10 Einheiten waeren noetig, pro Einheit nur 50 Yuan betrage. Schnell gerechnet kam ich auf eine Summe von 500 Yuan, das sind "stolze" 50,- Euro fuer 10 Akkupunktur Behandlungen. Wer kann bei den Preisen schon widerstehen. Also, Termin vereinbart, und dann ab zum "Onkel Doktor".

In dem Krankenhaus angekommen, hat es mir erst einmal die Sprache verschlagen. Man hoert ja oft Schauergeschichten von asiatischen Krankenhaeusern oder Arztbehandlungen oder bekommt es auch manchmal im TV zu sehen, aber dies war garnicht so wie man sich ein schmuddeliges Krankenhaus in Asien vorstellt. Beim ersten Anblick zeigte sich das Krankenhaus als ein ganz ordentliches, aelteres Gebaeude mit einer netten Parkankage, viel Gruen rundherum und ausreichend Parkraum fuer die Gaeste, Patienten und Angestellten. Es wurde sogar stellenweise renoviert.

In der Eingangshalle, wie fast allen oeffentlichen, chinesischen Gebaeuden herrscht Marmor und Stein vor. Der Fussboden ist mit Marmor, mindestens aber glaenzenden Steinfliesen ausgelegt. Die Waende sind teils halbhoch, teil ganz (je nach Budget des Krankenhauses) mit Marmor oder Stein gefliest. Es geht rueber zur Reception (Anmeldung) wo mehrere freundliche Schwestern mit einer adretten Uniform, roter Schaerpe und weissem Haeubchen die Anmeldung entgegennehmen. Wenn man sagt, das man ein Bekannter des Herrn Doktor "Sowieso" ist und einen Termin vereinbart hat, verbeugt sie sich und eilt voran um einen zum Buero des Doktors zu begleiten. Diese armen Krankenschwestern erledigen so eine Lauferei pro Tag, die schon fast an die Kilometerleistung eines deutschen Postboten reicht.

Im Buero des Doktors angekommen sitzen bereits 3-4 Personen (Patient plus Angehoerige) zwecks Diagnose. Da man ja ein Bekannter ist kann man natuerlich an den, auf dem Flur herumstehend, Warten vorbei ins Buero gehen. Niemand scheint es zu stoeren. Erstens ist es ueblich, dass man sich hier nur in den seltensten Faellen in einer Warteschlange einreiht, und wenn man dann noch vom Herrn Doktor mit einem freundlichen Lachen und per Haendedruck begruesst wird, erstickt das jede Beschwerde im Keim.

Wir durften also dann offiziell im Buero warten, bis er mit der Diagnose des einen Patienten fertig war. Ja ja. Wir standen an der offenen Tuere des relativ kleinen Bueros und warteten auf die Diagnose, natuerlich die des vorherigen Patienten, da man ja schliesslich an allem und jedem interssiert ist, und es das Wort "Privatsphaere" oder "aerztliche Schweigepflicht" nicht zu geben scheint. Das Buero koennte man, bis auf einige arztliche Utensilien , die verstreut im Raum standen oder lagen, auch fuer das eines normalen deutschen Hausmeisters halten. Es mass etwa 3m x 4m und war mit recht altertuemlich anmutendem Mobiliar ausgestattet. Neben dem Schreibtisch stand ein Papierkorb in dem sich vom blutigen Verbandrest ueber benutze Papiertuecher bis hin zur Spritze alles befand was man nicht mehr braucht. Er war natuerlich voll und haette dringend eine Leerung vertragen koennen. Aber was soll's. Das waere schliesslich eine Verschwendung von "halbvollen" Muelltueten gewesen. Waehrend meiner Beobachtungen im Buero war natuerlich die Diagnose und die Diskussion ueber die Medikation in vollem Gange. Problem ist dabei auch, dass hier scheinbar innerhalb einer Gruppe mindestens immer 75% der Anwesenden gleichzeitig reden muessen. Daher auch ein Lautstaerkepegel in dem Arztbuero wie "auf einem Jahrmarkt".

Nun war also ich an der Reihe. Zuerst schloss ich die Tuere hinter dem letzten der Angehoerigen des vorigen Patienten. Ich haette mir denken koennen, dass es eigentlich nutzlos war, denn die Schwester, vom Doktor herbeizitiert, liess beim Eintreten wie auch beim Verlassen des Raumes die Tuere natuerlich wieder offen stehen. Ich gab auf.

Meine Frau uebersetzte dann meine Beschwerden und erklaerte dem Arzt, woher die Beschwerden kommen. Nach einer Weile standen bereits 3-4 Leute an der offenen Tuere und folgten dem Gespraech meiner Frau mit dem Doktor. Klar warum auch nicht. Man ist ja schliesslich interessiert, welche Krankheiten so ein "Auslaender" wie ich denn hat. Ergebnis der Unterredung und Diagnose war also, dass wir in die Abteilung der Computer-Tomographie geschickt wurden. Der Arzt wollte sehen, wie die Rueckenwirbel heute aussehen und wie die Situation z.Zt. ist.

Auf dem Weg zur "CT" durften wir einen Abstecher zur Kasse machen. Nein nicht zur Bank. Zur Kasse, Zahlstelle, Gebuehreneintreibestelle oder wie immer man es nennen moechte. Ohne den Beleg das man bereits im Voraus fuer die aerztliche Behandlung bezahlt hat, macht hier kein Doktor etwas. Aber dazu spaeter in einer weiteren Geschichte.

Die "CT" verlief reibungslos und wie ich es bereits aus Deutschland kannte. Ueber den Zustand der technischen Geraete kann ich als Laie natuerlich nichts sagen. Es sah aber alles recht sauber und ordentlich aus, nachdem man den staubigen Flur, in dem renoviert wurde und in dem man ueber Zementsaecke und Baumaterial steigen durfte, verlassen hatte. Mit dem Ergebnis der "CT" gingen wir dann wieder zurueck zum Arzt. Natuerlich wieder die gleiche Prozedur. Vorbei an Wartenden und zusammen mit anderen Patienten im Buero.

Dieser Arzt, ich muss schon sagen, ist ein wirklicher Spezialist. Er schrieb auf einen Zettel, wo und wie bei der folgenden Akkupunktur die Nadeln zu sitzen haben, und wieviel Strom durchgeleitet werden muss. Um es vorwegzunehmen moechte ich sagen, dass ich nach dieser Behandlung fuer wirklich mehr als ein Jahr komplett beschwerdefrei war, und das selbst bei widrigsten Wetterbedingungen und auch nach diversen Jogginglaeufen und anderen sportlichen Aktivitaeten.

Ich verstehe nicht, warum man sich in Europa so lange und scheinbar immer noch gegen diese Art der medizinischen Behandlung wehrt und es als als "Nicht-Schulmedizin" oder aehnliches ablehnt. Diese Nadeln, von einem wirklichen Fachmann benutzt, haben keine Nebenwirkungen, ausser der, dass man wirklich seine Schmerzen los ist. Und es ist extrem preiswert. Selbst in Europa kann eine Akkupunktur nicht so teuer sein, wie viele Medikamente, die dann auch noch moeglicherweise andere Medikamente erfordern, um die Nebenwirkungen zu kurrieren. Was also in Zukunft irgendwelche Ruecken- oder andere orthopaedische Probleme anbelangt, werde ich es als erstes mit einer gezielten und fachgerechten Akkupunktur versuchen.

Was solche Themen anbelangt, sollte man evtl. von Deutschland oder anderen Laendern in Europa aus, mal ueber den eigenen Tellerrand schauen und sich mal in Asien umsehen. Hier geht mit Akkupunktur vieles einfacher und sanfter als mit europaeischer Schulmedizin oder "chemischen Keulen". Gut, dass man sich dabei natuerlich nicht auf einen asiatischen Hygienestandard herunter begeben muss ist klar, aber eine Ueberlegung ist es allemal wert.

Bei der anschliessenden Akkupunktur, die jeden zweiten Tag zu erfolgen hatte, habe ich mich gefragt, ob es das Wort "Hygiene" hier gibt oder ob es bei dieser Art von Behandlung nicht notwendig ist.

Ich durfte mich auf einer Liege ausstrecken, auf der am unteren Ende noch die Schuhabdruecke eines meiner Vorgaenger zu erkennen waren. Dadurch, dass die Schwester das Lagen glatt strich, bevor ich mich drauflegen sollte, wird es sicher nicht hygienischer oder keimfreier. Aber ich bin da kein Experte. Den Geruch des Kissens habe ich ich durch auflegen meines T-Shirts ein wenig blocken koennen. Bei manchen Leuten haette dieser schon fuer eine Anaesthesie ausgereicht. Die Nadeln fuer die Akkupunktur wurden aus einer frischen, neuen, verschweissten Blisterpackung entnommen. Gut. Soweit war also schon einmal gesichert, dass ich nicht die Nadeln vom Vorgaenger tief ins Fleisch gesteckt bekomme. Das Einstecken der Nadeln spuert man wirklich kaum, an manchen Stellen gar nicht. Bis dahin wusste ich nicht, dass es moeglich ist, so extrem duenne Nadeln zu produzieren, die beim Einstich dann nicht abbrechen. Erstaunlich. Aber dadurch bedingt ist der Stich auch schmerzlos. So hat man mir das jedenfalls erklaert.

Nach der Behandlung, wie gesagt 10 Einzelbehandlungen, hatte ich wirklich fuer mehr als 1 Jahr keine Beschwerden mehr. Und das Ganze fuer sage und schreibe 80,- Euro, incl. der 30,- Euro teuren "CT".

Damals habe ich mir gesagt, dass man, wenn man nicht zu pingelig und empfindlich ist und wenn man eine wirkungsvolle Tetanus-Impfung hat, einen laengeren Aufenthalt hier ruhig wagen kann. Es sei aber noch angemerkt, dass eine wirkungsvolle Hepathitis-Impfung eigentlich oberste Prioritaet haben sollte. Darauf kann verzichtet werden, wenn man sich hier nicht aus den eigenen, hygienischen vier Waenden entfernen will. Sobald man das Haus verlaesst, speziell wenn man mal Ausfluege auf's Land macht und nicht immer sein eigenes Essen von zu Hause mitbringt, ist eine Hepathitis-Impfung schon angebracht.

Soviel zu meinem ersten Kontakt mit einem chinesischen Krankenhaus und ein klares "Ja" zur chinesischen Akupunktur.

Fortsetzungen folgen.

 

Die besten Gruesse aus China

ALEX